Behandlungspflege – ausführliche Informationen

Die medizinische Behandlungspflege stellt einen Bereich der häuslichen Pflege dar. Sie wird nach SGB 5 nur auf ärztliche Anordnung genehmigt.

Die Behandlungspflege ist ein Bündel von Maßnahmen, die von einem Arzt angeordnet und von Pflegefachkräften und auch einem professionellen Pflegedienst, durchgeführt werden. Die Behandlungspflege soll mit den dazugehörenden Leistungen pflegebedürftige Personen bei der Genesung bzw. der Verbesserung der Erkrankung unterstützen oder dabei helfen, eine Verschlechterung des Krankheitsverlaufes zu verhindern. Teilweise wird die Behandlungspflege auch angeordnet, um einem Klinikaufenthalt entgegenzuwirken.

 

Behandlungspflege nach § 37 SGB V in der häuslichen Krankenpflege

Leistungsträger für die Behandlungspflege sind die Krankenkassen. Die Krankenkasse übernimmt die finanziellen Aufwendungen der Behandlungspflege, nachdem sie von einem Arzt angeordnet wurde. Die häusliche Pflege beinhaltet neben der Behandlungspflege auch die Grundpflege sowie diverse hauswirtschaftliche Tätigkeiten zur Unterstützung des Klienten. Sie findet im privaten Umfeld des Versicherten bzw. im Hause eines Angehörigen statt und wird gewöhnlich, von einem ambulanten Pflegedienst verrichtet.

Der jeweilige Pflegedienst übernimmt hierbei alle Tätigkeiten, die nach dem SGB 5 Teil der Pflege sind, deren Leistungen den Pflegebedürftigen Klienten zustehen. Ein Anspruch auf die Behandlungspflege existiert ausschließlich dann, wenn weder die betreffende Person selbst noch eine mit ihr im Haushalt lebende Person die Pflegemaßnahmen übernehmen kann.

Leistungen Behandlungspflege

Leistungen der Behandlungspflege, die in summa von einem ambulanten Pflegedienst ausgeführt werden können, umfassen nach SGB V unter anderem:

  • Anleitung zur Pflege in der Häuslichkeit
  • Beatmungsgerät, Überwachung und Bedienung
  • RR Messung (Blutdruck Kontrolle)
  • Drainagen, Kontrolle und Versorgung
  • Irrigation (Einlauf), Klysma, Klistier
  • Infusionsversorgung, Erneuern inkl. erneutes Aufhängen
  • Inhalation
  • Richten von Injektionen und applizieren
  • Katheter, Versorgung
  • systematische Krankenbeobachtung
  • PEG Sonde (Magensonde), Legen und Wechseln
  • Medikamentenapplikation
  • fachgerechte Stomabehandlung
  • Trachealkanülen-Management
  • Venenkatheter (Port) – Versorgung
  • Verbände jeglicher Art
  • und vieles mehr
 
 

Kosten der Behandlungspflege

Die Behandlungspflege wird von der Krankenkasse des Patienten übernommen. In gewissen Fällen muss der Patient  jedoch selbst Zuzahlungen leisten. Dies hängt unter anderem von der Länge der Behandlungspflege ab, die mit einem definierten Ziel derselben einhergeht.

Die Erstversorgung

In aller Regel ordnet der Arzt zunächst eine Erstversorgung an, welche 14 Tage besteht. Ab dem 18. Lebensjahr muss man als Versicherter 10 Prozent der anfallenden Kosten zahlen, maximal jedoch 10€ pro Verordnung.

Zur Information

Bei einer Schwangerschaft oder nach einer Entbindung muss diese Beteiligung nicht bezahlt werden.

 

Behandlungspflege zur Abwendung eines Klinikaufenthalts

Es wird von Krankenhausverhinderungspflege gesprochen, wenn die Behandlungspflege bis zu maximal vier Wochen andauert.
Auch hier gilt wieder die Selbstbeteiligung von 10% der Kosten und max. 10€, allerdings nur für einen maximalen Zeitraum von 28 Tagen im Kalenderjahr.

Grundversorgung im Alter / Chronische Krankheiten

Ist ein Bedarf an Behandlungspflege vorhanden, der vier Wochen überschreitet, wird der Medizinische Dienst der Krankenversicherung “MDK” konsultiert, um eine mögliche Pflegebedürftigkeit festzustellen und um einen passenden Pflegegrad zuzuteilen. Hierbei entfällt die Selbstbeteiligung ebenso.

Abgrenzung zur Grundpflege

Die Behandlungspflege ist abgegrenzt zur Grundpflege. Sicher sind beide Arten der Pflege Teil der häuslichen Krankenpflege, andererseits umfasst die Grundpflege nicht medizinisch verordnete Maßnahmen, jedoch die Unterstützung bei der Bewältigung des Alltags. Dies betrifft beispielsweise die Körperpflege, das Anreichen von Nahrung inkl. Getränken und das An- und Auskleiden der Pflegebedürftigen. Diese Art der Pflege wird finanziell in aller Regel von der jeweiligen Pflegekasse, jedoch nicht von der Krankenkasse übernommen. Die Grundpflege kann ebenfalls von einem fachkundigen Pflegedienst verrichtet werden. Diese wird im Vergleich zur Behandlungspflege als die leichter durchzuführende Pflegeart angesehen. Diese Ansicht ist allerdings sehr umstritten, da pflegebedürftige Menschen grundsätzlich auf eine ganzheitliche Pflege angewiesen sind.